Die DIN EN 1997-1:2004-11 mit ihrem ergänzenden Nationalen Anhang DIN 1054:2010-12 gibt den Rahmen vor, doch in Augsburg ist der Untergrund eine eigene Disziplin. Die quartären Kiese und Sande des Lechtals, überlagert von Auenlehmen und teils organischen Schichten, verlangen ein genaues Hinschauen. In unserer Erfahrung scheitert eine Tunnelprognose nicht an der Theorie, sondern an unterschätzten Wechsellagerungen im Baugrund. Ein CPT-Versuch liefert hier das lückenlose Profil, während eine ergänzende Korngrößenanalyse den Feinkornanteil in den Schichten exakt quantifiziert und damit das Drainageverhalten im Vortrieb klärt.
Im Augsburger Lechtal entscheidet der Feinkornanteil in einer dünnen Schlufflinse darüber, ob die Ortsbrust standsicher ist oder nicht.
Referenznormen
DIN EN 1997-1:2004-11 (Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung), DIN 1054:2010-12 (Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau), DIN EN ISO 14688-2:2018-05 (Benennung, Beschreibung und Klassifizierung von Boden), ZTV-ING Teil 5 (Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen für Ingenieurbauten – Tunnelbau), DIN 4094-1 (Baugrunderkundung; Bohrungen und Sondierungen)
Fragen und Antworten
Was kostet eine geotechnische Analyse für ein Tunnelprojekt in Augsburg?
Der Aufwand richtet sich streng nach Umfang der Kernbohrungen und Laborversuche. Für ein Vorerkundungsprogramm mit wenigen Aufschlüssen liegen die Kosten im Bereich von €3.540, komplexe Hauptuntersuchungen mit umfangreicher Triaxial- und Ödometerversuchsmatrix liegen bei bis zu €13.620.
Ab wann gilt ein Boden im Tunnelbau als 'weich'?
Entscheidend ist die undränierte Kohäsion cu. Liegt sie unter 25 kPa, sprechen wir von sehr weichem Boden. In Augsburg finden wir solche Werte vor allem in den organischen Auenlehmen nahe der Lech-Altarme.
Wie tief müssen die Erkundungsbohrungen für einen Tunnel reichen?
Die ZTV-ING Teil 5 fordert Aufschlüsse bis mindestens das 1,5-fache des Tunneldurchmessers unter die Sohle. Bei einem typischen Schilddurchmesser von 10 m bedeutet das Erkundungstiefen von 30 bis 45 m unter Gelände.
Welche Laborversuche sind bei rolligem Kies mit Schlufflinsen zwingend?
Neben der Korngrößenverteilung sind vor allem Rahmenscherversuche für den rolligen Kies und Triaxialversuche für die bindigen Linsen nötig. Die Kombination beider gibt Aufschluss über den Versagensmechanismus an der gemischtkörnigen Ortsbrust.
Berücksichtigen Sie die Besonderheiten des Augsburger Grundwassers?
Ja, wir entnehmen Wasserproben nach DIN 4030-2 und analysieren auf Sulfat, Magnesium und Ammonium. Das Augsburger Grundwasser kann lokal betonaggressiv sein, was die Expositionsklasse für die Tunnelschale direkt beeinflusst.