Augsburg, gegründet als römisches Legionslager, wuchs über Jahrhunderte in die Schwemmebene zwischen Lech und Wertach hinein. Die historische Altstadt ruht auf jungen quartären Kiesen, die sich mit feinkörnigen Auesedimenten verzahnen – ein Flickenteppich, der die Wasserdurchlässigkeit auf engstem Raum extrem variieren lässt. Wenn heute im Antonsviertel eine Baugrube für ein Mehrfamilienhaus ausgehoben wird, reichen Laborwerte allein nicht aus. Die natürliche Schichtung, der schwankende Grundwasserspiegel und die Tiefe der eiszeitlichen Ablagerungen verlangen nach In-situ-Versuchen, die das Verhalten vor Ort abbilden. Genau dafür setzen wir in Augsburg den Felddurchlässigkeitsversuch ein, mit dem wir die hydraulische Leitfähigkeit direkt im Boden messen und belastbare Kennwerte für die Wasserhaltung liefern. Ergänzend ziehen wir bei Bedarf den CPT-Versuch heran, um die Schichtgrenzen sondierend zu erfassen, bevor wir mit dem Packertest in die Tiefe gehen.
Die quartären Lechkiese Augsburgs liefern Durchlässigkeitsbeiwerte zwischen 10⁻² und 10⁻⁴ m/s – ein Spektrum, das keine pauschale Annahme erlaubt.
Methodik und Umfang
Der Versuchsaufbau beginnt mit einem Doppelpackersystem, das über ein Gestänge in das Bohrloch eingefahren wird. In Augsburg, wo die quartären Kiese oft mit schluffigen Linsen durchsetzt sind, nutzen wir bevorzugt pneumatische Packer mit kurzer Teststrecke von 0,5 bis 1 Meter – so isolieren wir einzelne Horizonte zuverlässig. Der Lefranc-Test eignet sich für Lockergesteine, indem er mit konstanter oder fallender Druckhöhe arbeitet. Der Lugeon-Test hingegen ist für den klüftigen Fels der tertiären Molasse gedacht, die in tieferen Lagen unter Augsburg ansteht. Hier pressen wir Wasser in fünf Druckstufen ein und zeichnen die Durchflussrate auf. Die Auswertung erfolgt digital über einen Datenlogger, den unser technisches Team direkt vor Ort ausliest. Bei beengten innerstädtischen Grundstücken – etwa im Georgsviertel – kommt ein kompaktes Hydraulikaggregat zum Einsatz, das wir mit Schallschutzwänden einkapseln, um die Nachbarschaft nicht zu beeinträchtigen. Die Messwerte fließen anschließend in ein detailliertes Protokoll, das die kf-Werte schichtbezogen ausweist und als Grundlage für die Bemessung der Grundwasserabsenkung dient.
Lokale Besonderheiten
Der Alpenvorland-Charakter Augsburgs bringt ein spezifisches Risiko mit sich: Hochwasserereignisse von Lech und Wertach lassen den Grundwasserspiegel innerhalb weniger Tage um einen Meter ansteigen. Wer in der Jakobervorstadt eine Tiefgarage plant und die Durchlässigkeit nur aus trockenen Sommerwochen kennt, kalkuliert die Auftriebssicherheit falsch. Wir haben mehrfach erlebt, dass Bauherren mit einem pauschalen kf-Wert aus der Literatur gearbeitet haben und dann während des Aushubs Wasserzutritte in der Baugrubensohle auftraten. Ein Felddurchlässigkeitsversuch, ausgeführt mit konstanter Druckhöhe über mehrere Stunden, zeigt das reale Drainageverhalten der anstehenden Schichten. Besonders tückisch sind die eingelagerten Schlufflinsen: Sie wirken auf den ersten Blick dichtend, können aber lateral Wasser führen, wenn sie nicht vollständig erfasst werden. Unser Protokoll empfiehlt dann, die Reichweite der Absenktrichter eher konservativ anzusetzen und gegebenenfalls eine Vakuumentwässerung einzuplanen.